Fußball, Zungenkuss und die Oma nebenan
…es (hat) nichts mit dem Verleugnen seiner sexuellen Identität zu tun hat, wenn man diese nicht vordergründig sichtbar für alle Welt ausbreitet und sein “Schwulsein” wie einen Prägestempel vor sich herträgt.
Mein Freund z.B. spielt Fußball in einer Dorfmannschaft und ist dort geoutet. Er entspricht keinem der typisch schwulen Klischees, ist mit sich und seiner Sexualität im “Reinen”, muss diese deshalb auch nicht ständig nach Außen für alle sichtbar rumtragen. Und dennoch wissen alle im Verein und viele Leute sonst, dass er mit einem anderen Mann zusammen ist. Für sie ist es kein Problem und ganz “normal”, dass ich ab und zu Spiele angucke, dass wir bei den jährlichen Feiern (Weihnachtsfeier, Grillfeste im Sommer, etc.) wie selbstverständlich als Paar mit dabei sind und uns auch umarmen oder küssen. Es ist einfach normal und nichts besonderes.
Selbst unsere gläubigen katholischen Nachbarn (beide um die 60) laden uns zum Grillen ein und haben kein Problem mit unserer Homosexualität. Natürlich stecken wir uns dann nicht gegenseitig die Zungen in die Hälse, aber das mache ich auch sonst nicht in der Öffentlichkeit, da solche Küsse für meinen Geschmack zu intim für die Öffentlichkeit sind.
Gegenseitige Akzeptanz, oder wenigstens Toleranz, ist dabei sehr wichtig. Einige Schwule, und andere Angehörige von Minderheiten, lassen leider sehr oft die Toleranz vermissen, die sie von anderen fordern.
Viele Schwule nehmen sich bzw. ihre Sexualität zu wichtig und glauben alleine durch ihre Homosexualität etwas “Besonderes” zu sein – und sie grenzen sich so von den “bösen, intoleranten Heteros” ab.
Natürlich bin ich auch auf dem CSD aktiv dabei, aber das ändert nichts daran, dass ich im Großen und Ganzen ein “normales” Leben führe, dass nicht hauptsächlich durch meine sex. Identität geprägt ist. Den meisten Leuten ist die sexuelle Neigung egal, es kommt auf den Charakter und das Verhalten an.
Keiner von uns beiden verleugnet seine sex. Identität, wir wollen einfach Normalität in unserem Leben und sind so auch glücklich und haben kaum Probleme mit Intoleranz.
Letztendlich muss es jedem selbst überlassen bleiben, ob er seine sex. Identität immer als “wichtigstes Charaktermerkmal” ausweist, oder ob er andere Eigenschaften als wichtiger erachtet und die Homosexualität einfach als Normalität ansieht und sie deshalb nicht immer mit erwähnt… .
Übernommen aus einer Diskussion bei queer.de

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Homosexualität im eigenen Umfeld « human experiences schrieb dies am Mai 1, 2008 um 2:45 |